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"Ein Karateka bleibt immer ein Karateka”
back forward

Der Singalese Chandana Muthunayake unterrichtet in Freiburg asiatische Kampfkunst
(Badische Zeitung, 1997)

Wenngleich seit Henry Maske der Kampfsport in unserer Republik nicht mehr ganz so makelbehaftet ist, wie noch vor einigen Jahren, so assoziiert der voreingenommene Laie Karate noch immer mit wilden Straßenkämpfen und Kneipenschlägereien. Höchstwahrscheinich liegt dies darin begründet, daß Karateka als Sportler hierzulande keine große Lobby haben.. Ganz anders verhält es sich dagegen in Übersee, wo jener Kampfsport große Popularität genießt. So fand auch in diesem Jahr die Sabaki-Challenge-Weltmeisterschaft in Denver vor rund 10 000 Zuschauern statt. Als einziger Vertreter Deutschlands reiste der Freiburger Chandana Muthunayake im Oktober nach Colorado (`In Deutschland hätten wir nicht einmal 300 Zuschauer gehabt.´), um sich mit 40 der weltbesten Karateka zu messen. Denn der von Kancho Joko Ninomiya ins Leben gerufene Wettbewerb ist für alle Stile offen. Es handelt sich dabei um den weltweit einzigen Vollkontaktwettkampf, bei dem außer Mund- und Tiefschutz keinerlei Schutzvorrichtungen am Körper erlaubt sind.  Zudem mußte der gebürtige Singhalese eine Verzichtserklärung hinsichtlich jeglicher Regreßansprüche im Todesfall unterzeichnen. `Allerdings kam es bislang noch zu keiner tödlichen Verletzung´, beschwichtigt Chandana.

Erlaubt ist alles außer Faustschlägen zum Kopf des Gegners. Ist der Kampf nach drei Minuten nicht entschieden, erfolgt ein Bruchtest´, erklärt der 37jährige die Rahmenbedingungen. `Dabei müßen die beiden Kontrahenten von zehn Holzbrettern eine maximale Anzahl wahlweise per Handkante oder Ellenbogen zerschmettern.´ Der Freiburger Karateka wurde erst im Viertelfinale durch Kampfrichterentscheid gestoppt und kehrte, von schweren Prellungen an Elle und Schienbein einmal abgesehen, weitgehend unversehrt in den Breisgau zurück. Auf die Frage, ob es denn unbedingt des Vollkontakts bedürfe, meint er lakonisch:
`Halbkontakt ist Sport, Vollkontakt ist realistisch!´ Als bekennender Buddhist jedoh ist Chandana prinzipiell gegen Gewalt. Dennoch mußte er sich früher in Sri Lanka auch außerhalb des Dojo ab und zu seiner asiatischen Kampfkünste besinnen. Aufgrund von Unruhen verließ er dann Ceylon 1989 in Richtung Deutschland, wo er sein Biologiestudium fortsetzte. Interessierte Kommilitionen drängten den Träger des fünften Dans, sie doch in die Weihen verschiedener Kampfkünste einzuführen. Aus diesen Gratisstunden entwickelete sich Chandanas Beruf. Heute ist er Cheftrainer [`Sensei´] des vor einem Jahr gegründeten Mu-Shin e. V. Freiburg und unterrichtet mittlerweile 100 Mitglieder, die neben dem Ziel der körperlichen Ertüchtigung vor allem auch das Interesse an der asiatischen Kultur eint. Der Anspruch, nicht nur den Körper auszubilden, unterscheidet Chandana von einigen `Haudraufs´ seiner Zunft. Einen wichtigen Bestandteil des Trainings nimmt stets auch die Meditation ein. Für seine jugendlichen Schüler ist er mehr als nur ein Übungsleiter. Er übernimmt erzieherische Funktion und betreut die Jüngsten  zuweilen auch nach Schulschluß, wenn er mit ihnen bei sich zu Hause Probleme wälzt.. Geht es nach Chandana, dann soll der Verein wie eine Familie sein. Genauso umfassend, wie er seine Aufgabe als Trainer sieht, interpretiert Chandana auch Karate: `Es ist nicht nur Sport. Ein Boxer hört auf, Boxer zu sein, wenn er die Handschuhe an den Nagel hängt. Ein Karateka dagegen bleibt immer Karateka.´ Daß bei aller Ideologie für viele Kursteilnehmer aber auch ein rein pragmatischer Grund im Vordergrund steht, die Selbstverteidigung im Ernstfall, ist unbestritten. Pia, die allmorgendlich die Badische Zeitung auch in entlegentsten Gegenden zustellt, erzählt keck, daß sie erst kürzlich einen von hinten angreifenden Unbekannten mit gekonntem Urakeusayu-Uchi, einem Handrückenschlag, zu Boden streckte. Da kann auch der Buddhist Chandana seine Schadenfreude nicht verbergen. Andreas Eichwede

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