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Karate- "Softies" schaffen es ins Achtel-
finale der WM
back forward

Presseartikel der Badischen Zeitung vom Montag, 26. April 2004
über die Weltmeisterschaft des Enshin Karate in Denver (USA)

Kämpften in Denver um den WM-Titel (von links): Jan Reichert (30), Trainer Chandana Muthunayake und Henri Schiemann (27). FOTO: HOFFMANN


Henri Schiemann und Jan Reichert kämpften am Wochenende in Denver im Stil "Enshin" um den Titel aller Titel
Von unserem Redakteur Adrian Hoffmann

Es klingt wie der Beginn einer Ära. Stramm steht der dunkelhäutige Karatelehrer aus Sri Lanka vor der Reihe seiner Schüler, die respektvoll die Arme überkreuzen. "Die Zeit ist gekommen", spricht Chandana Muthunayake.

Es ist still - bis der 43-Jährige die Sprechpause beendet: Acht Jahre lang gebe es nun die Enshin-Karateschule in der Wiehre, acht Jahre lang habe es gedauert, bis sie an der Weltmeisterschaft ihrer Stilrichtung teilnehmen konnten. Er ist erfüllt mit Stolz. Seine Schüler Jan Reichert (30) und Henri Schiemann (27) aus Freiburg haben sich als beste Deutsche qualifiziert. Und sie gaben alles, um das für den Weltmeister ausgeschriebene Samuraischwert zu gewinnen.

Leider hat es nicht ganz gereicht: Beide kämpften sich in der größten Mittelgewichtsklasse-Konkurrenz, die es jemals gab, bis ins Achtelfinale vor, scheiterten aber knapp. Schiemann schaffte zwar Punktegleichstand mit seinem amerikanischen Gegner Ali Farashkhani, erhielt jedoch drei Warnungen und verlor damit den Kampf. Reichert hielt sich tapfer gegen den israelischen Meister Oren Sankevitch und unterlag am Ende mit einem Punkt Unterschied.

Jan Reichert und Henri Schiemann sind zwei Männer, die aussehen, als spielten sie in ihrer Freizeit lieber Tennis. Blond sind sie, groß gewachsen - aber auf den ersten Blick mehr Softies als Kämpfer. Jan Reichert ist Chef einer Multimedia Agentur, wirbt mit Computerspielen für Brettspiele, Henri Schiemann ist Angestellter der Uni, überwacht nach seinem Studium der Forstwissenschaften Messanlagen. Für die Weltmeisterschaft mussten sie trainieren wie nie zuvor, bis an ihre Grenzen. "Ich habe die beiden sehr streng gequält", sagt Chandana Muthunayake. Durch den Tiefschnee auf dem Schauinsland sind sie bis vor kurzem noch gejoggt. Täglich. Mindestens eine Stunde lang. Um mit der Höhenluft in den Rocky Mountains zurecht zu kommen.

Die Karateschüler powern. Die Stilrichtung Enshin ist sehr körperbetont, ähnelt dem Judo. Es gibt Punkte dafür, seinen Gegner von der Matte zu fegen, also ihm den Boden unter den Füßen zu nehmen. Die Schüler versuchen mit kreisförmigen Bewegungen, die Kraft des Gegners gegen ihn selbst zu verwenden. Zwei mal zwei Minuten lang geht ein solcher Kampf, bei der Weltmeisterschaft ohne Hand- und Schienbeinschutz, sondern nur mit Mund- und Tiefschutz. Blaue Flecken gehören dazu. Manchmal geht ein Kampf auch mit einem k. o. zu Ende.

Rund 50 Kämpfer aus aller Welt sind nach Denver gekommen. Favoriten sind bislang meist Japaner und Amerikaner gewesen. Doch diesmal waren es vor den Kämpfen die Deutschen. Im vergangenen Jahr waren sie schon als Zuschauer dabei und trainierten mit den Teilnehmern - der Organisator war so sehr beeindruckt, dass er bei Trainer Muthunayake anrief und ihn für seine Arbeit lobte. Muthunayake sieht in Jan Reichert einen hervorragenden Techniker, Henri Schiemann dagegen habe viel Ausdauer und Kraft.

Karate ist für die beiden mehr als nur ein außergewöhnliches Hobby. Es ist, wie Jan Reicherts Freundin Natalie Blaser sagt: ihr Weg.

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