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Mu-Shin - Geist und `Leerer Geist´ Mu-Shin oder Mushin heißt wörtlich übersetzt `Leerer Geist´ oder `Nicht-Geist´. Aber wie ist das zu verstehen? Betrachten wir unseren Alltag: Wenn wir etwas neues erleben oder einer fremden Situation gegenüberstehen, so nehmen wir fast gleichzeitig mit der eigentlichen Wahrnehmung durch die Sinnesorgane auch eine Einschätzung durch unseren Verstand vor. Dieser Vorgang läuft so selbstverständlich ab, daß wir uns darüber gar keine Rechenschaft mehr ablegen. Im besten Falle bilden wir uns ein Urteil, meist aber ein Vorurteil. Das soll nicht heißen, daß diese Vorgehensweise unseres Geistes negativ ist: Alle technischen und wissenschaftlichen Fortschritte verdanken wir der voerstandesmäßigen Analyse und Interpretation von Naturbeobachtungen. Und hier liegt auch einer der wichtigsten Gründe, warum in der westl. Kultur der Intellekt, der Verstand, die Vernunft eine so hohe Bedeutung haben. Jedoch dahinter gibt es noch etwas anderes, vielleicht geheimnisvolles, wie es sich etwa in großen Kunstwerken der Malerei und der Musik ausdrückt: Wir können sie zwar verstandesmäßig zergliedern und einordnen, wie z. B. in der Musikwissenschaft. Um Kunst allerdings wirklich erfassen und erleben zu können, müssen wir sie unmittelbar, ohne `Dazwischenschalten´ von Denkakten auf uns wirken lassen.
Bedeutung für den Kampfsport Für den Samurai des feudalen Japan bedeutete eine Herausforderung zum Kampf eine Angelegenheit des Überlebens. Schon der kleinste Fehler, eine winzige Unkonzentriertheit, konnte zur tödlichen Niederlage führen. Das größte Problem war das Denken: An den Ausgang des Kampfes, an das, was der Gegener evtl. gleich tun wird, an mögliche eigene Aktionen usw. So fand die Schwertkunst zum Zen-Buddhismus und seiner einzigartigen Körper-Geist-Schulung: Hinauswachsen über den denkenden, analysierenden, interpretierenden Geist durch konsequentens Üben und damit auch Hinauswachsen über den Geist mit seinen Ängsten, Berechnungen, Hoffnungen und Wünschen. Der vollendete Schwertkämpfer war frei von diesen Dinngen, im Kampf bewegte er sich in natürlicher Harmonie ohne daß ihn ein Gedanke stört. Nicht umsonst heißt das letzte Kapitel von Musashis `Buch der fünf Ringe´ das `Buch der Leere´.
Bedeutung der `Leere´ für den Kämpfer
Jeder der sich zum ersten Mal einer Übungs- oder Kampfsituation stellt, handelt automatisch und
reflexhaft, gewissermaßen naiv. Mit dem Erlernen einer Kampfkunst und effektiver Techniken werden wir unsicher, beginnen zu überlegen, welche Abwehr, welcher Schlag wann am geeignetsten ist. Wir sind aufgeregt, der Verständ hängt an
dieser oder jener Überlegung fest. Darunter leidet unsere Aufmerksamkeit. Erst durch langandauerndes und kontinuierliches Training beginnt das Denken zurückzutreten und auf höherem Niveau als am Anfang erhalten wir die
ursprüngliche Naivität zurück. Der Körper reagiert situationsgerecht, automatisch und in großer Ruhe. Bedeutung der Meditation
Diesem Ziel dient auch die Meditation: Wir lassen das `Getöse´ unserer Gedanken an uns vorüberziehen ohne an einem
Gedanken festzuhalten. Wir konzentrieren uns auf unseren Atem, die Gedanken treten zurück, die Gedanken des Alltags werden unwichtig. Mit zunehmender Übung tritt ein Gefühl der inneren Ruhe
ein. Diese Ruhe im Alltag zu bewahren ist eine hohe Kunst. Wer sie jedoch zu bewahren versteht empfindet ein ungeahntes Gefühl innerer Harmonie und Klarheit. Und kein Denken mit seinem `wenn´ und `aber´ und keine äußere
Provokation kann sie stören.
`Dann wirst du dahin kommen, daß du die Dinge klar und deutlich begreifst und erkennst: Die Leere, das
ist der Weg, und der Weg ist die Leere´
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